Titel: Dear WendyLand: DK, F, D
Original Titel: Dear WendyJahr: 2005
Alternativ Titel: nicht vorhanden Länge: 105 min
Ö-Kinost.: 2006-06-30
Genre: Drama 
Regie: Thomas Vinterberg: It's All About Love
Darsteller:
 
Inhalt:

Der Außenseiter Dick Dandelion (BELL), fristet in der Bergarbeiterstadt Estherlope im Südosten Amerikas ein langweiliges Dasein. Durch Zufall gerät er an eine Handfeuerwaffe, die er aus unerfindlichen Gründen seither nicht mehr aus der Hand legen will und die auf ihn, trotz seiner starken pazifistischen Überzeugung, eine Art magischer Anziehungskraft ausübt. Kurz darauf stellt er fest, mit diesem eigenartigem Gefühl nicht alleine zu sein und gründet mit einer Reihe anderer Einzelgänger einen Geheimclub: Die Dandies. Die Namensgebung steht jedoch im genauen Gegensatz zu dem, womit sich die Clubmitglieder beschäftigen, nämlich Schießen. Sowohl die Bauart, als auch physische und psychische Auswirkungen des Waffengebrauches faszinieren die Jugendlichen zunehmend mehr. Dennoch, ihr wichtigster und oberster Grundsatz lautet: „Zieh niemals deine Waffe!“ Doch Grundsätze werden oftmals gerade von jenen gebrochen, die sie postulierten…

Kritik:

Dieser Film stellt eindeutig eine Metapher dar. Er prangert die aufkommende und in unserer Gegenwart bereits zu stark gewordene „Liebe“ zu Waffen an und richtet sich, was am Spielort, vor allem im Kontext der Herkunft des Drehbuchautors Lars von Trier und des Regisseurs Thomas Vinterberg sichtbar wird, gegen die Einstellung Amerikas zu Waffen und Gewalt im Allgemeinen. Thomas Vinterberg kommentierte „Dear Wendy“ folgendermaßen: „[…] Außerdem dachte ich mir, dass der Großteil der westlichen Welt sich als Pazifisten mit Waffen sieht […]“

Gefährliche Gratwanderung.
Dramaturgisch betrachtet ist die Handschrift von Lars von Trier herauszulesen, der sich jedoch in immer radikalere Bereiche zu begeben scheint. Sowohl die Kritik an Amerika, als auch das bühnenartige Gesamtkonzept, oder die stark metaphorische schon irreale Geschichte, sind von ihm bekannt. Dennoch hat er sich hier auf eine ganz gefährliche Gradwanderung eingelassen. Denn deutlicher ist er nie gewesen. Er benutzt hier zu allererst eine schon fast makabere Weise des Ausdrucks und beeindruckt und verstört zugleich.

Viele interessante Stilmittel.
Die inszenatorische Umsetzung, bei der Thomas Vinterberg sehr stark für eine realitätsnahe Kulisse plädierte, und diese auch umsetzte, ist makellos und absolut angemessen. Nahezu alles um den jungen Dick herum passiert in spärlicher Beleuchtung, was seine – trotz gespielter Allwissenheit – immense Unsicherheit und seinen sensiblen Charakter unterstreicht, die vor allem durch Off-Kommentare dramaturgisch gut eingebaut wurden. Die Tatsache, dass der Film in Form eines Backflashs sozusagen im nachhinein erzählt wird, ist von dem her ein Volltreffer gewesen, dass er die Aussage – nämlich die „Überzeugung“ eine gewisse Richtigkeit in der Nutzung einer Waffe zu sehen – noch zusätzlich unterstreicht. Schlussendlich kommt noch die Westernästhetik hinzu, die in ihrer teilweise ironischen Art, durchaus deutlich macht, dass es sich nicht um Verherrlichung sondern um Kritik handelt.

Fazit:
„Dear Wendy“ ist ein gewagter Film, nicht wegen seiner Aussage, ganz im Gegenteil, sondern einfach nur deshalb weil so paradox der Film an sich ist, so verwirrt sind auch die Gefühle beim Verlassen des Kinosaals: Schließlich ist Wendy eine Waffe…

-> Review by Ula

Achtung: Dieser Film ist bereits vor dem Kinostart auf DVD erhältlich!

Wertung: 8 von 10